Haben sie schon einmal etwas vom griechischen Philosophen und Historiker Polybios (ca. 200 – 120 v. Chr.) gehört? Er beschäftigte sich schon vor über 2000 Jahren damit, wie sich Krisen auf Gemeinschaften und Staaten auswirken. Nach dem Sieg der Römer im Dritten Makedonischen Krieg[1] kommt er als Geisel nach Rom. Das aufstrebende Rom beindruckt Polybios. Er sucht die Ursache für Roms Aufstieg und findet ihn in der überlegenen römischen Verfassung. 753 v. Chr. wurde Rom gegründet. Nach der Vertreibung des letzten römischen Königs 510 v. Chr. wird Rom Republik.[2]

Das Staatswesen, das bisher „Sache des Königs“ war, wird jetzt „Sache des Volkes“. Zwei gewählte Konsuln, die sich gegenseitig kontrollieren, und nur jeweils ein Jahr im Amt sein dürfen, regieren nun Rom. In Kriegs- oder Krisenzeiten kann ein Diktator (Alleinherrscher) eingesetzt werden. Allerdings ist seine Amtszeit auf sechs Monate begrenzt. Neben den Konsuln gibt es noch zahlreiche weitere Ämter. Jedes Amt darf nur einmal ausgeübt werden. Jeder, der einmal ein hohes Amt innehatte, kann auf Lebenszeit in den Senat gewählt werden. Da, in der Anfangszeit der Republik, nur reiche Grundbesitzer (Patrizier) hohe Ämter bekleiden, dominieren sie den Senat. Der Senat ist die mächtigste Institution Roms. Er bestimmt die Richtlinien der Politik, bestätigt die Wahlen der Konsuln, überprüft die Behörden und das Finanzwesen. Das einfache Volk (die Plebejer) verlangt zusehends ihre politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung. Dieser „Ständekampf“ zwischen Patriziern und Plebejern führte 451 v. Chr. zum „Zwölftafelgesetz“[3].

Nach und nach erlangen die Plebejer die politische Gleichstellung. Aus ihrer Reihe werden zwei Volkstribune (mit Immunität und Vetorecht) gewählt, Plebejer nehmen an der Volksversammlung teil und können sogar Konsul werden. Polybios glaubt, dass die Mischverfassung der Römer, den klassischen griechischen Verfassungen (Monarchie, Aristokratie, Demokratie) überlegen ist. Die römische Mischverfassung vereint Elemente der drei klassischen griechischen Verfassungen. Das monarchische Element (die Konsuln), das aristokratische Element (den Senat) und das demokratische Element (Volksversammlung). Polybios greift auf ein Sechserschema zurück, das schon Platon und Aristoteles verwendeten. Die drei guten Staatsformen (Monarchie, Aristokratie, Demokratie) werden jeweils durch ihre entarteten Staatsformen (Tyrannis, Oligarchie, Ochlokratie) verdrängt. Laut Polybios sind die klassischen Verfassungen zwangsweise einem Kreislauf unterworfen, also der ständigen Wiederholung von Werden und Vergehen. Das heißt, die Abfolge der klassischen Verfassungen unterliegt einer Gesetzmäßigkeit. Ständig gehen sie ineinander über und kehren letztendlich zu ihrer ursprünglichen Form zurück. Dann beginnt wieder alles von vorne – ein ewiger Kreislauf.

Für Polybios beginnt alles mit einer urtümlichen und anarchischen Alleinherrschaft aus vorgeschichtlicher Zeit. Aus dieser entwickelt sich, durch die kulturelle Entwicklung, die Reinform der Monarchie. Durch den Verfall von Moral und Sitten entartet die Monarchie nach einer gewissen Zeit zu ihrer negativen Form der Tyrannis, der Gewaltherrschaft eines Einzelnen. Die damit verbundene Unzufriedenheit führt dazu, dass die Oberschicht des Landes den Tyrannen stürzt und eine Aristokratie errichtet – die Herrschaft der Besten. Doch auch diese entartet durch Machtmissbrauch, Gier und Korruption. Aus der Herrschaft der Besten wird die Herrschaft der Wenigen, die Oligarchie. Der berechtigte Zorn des Volkes über den Machtmissbrauch und die Ungerechtigkeiten der Herrschenden führt zu deren Sturz. Die Oligarchie wird durch die Demokratie, der Herrschaft des Volkes, ersetzt. Nach einer gewissen Zeit sehen die Menschen die Vorteile der Demokratie als selbstverständlich an und hören auf, sich für die Demokratie und den Staat zu engagieren. Wieder führen der Verfall von Moral und Sitten des Herrschenden (in der Demokratie das Volk) zu Korruption, Machtmissbrauch und, wie Polybios schreibt, zu einer „Verwilderung“ der Politik. Aus der Demokratie entwickelt sich ihre Negativform, die Ochlokratie – die Herrschaft des Pöbels, der zügellosen Masse. Diese endet, wenn wieder ein Einzelner die Macht ergreift und das Chaos ordnet. Er errichtet eine Monarchie und alles beginnt wieder von vorne.

Für Polybios wechseln Reinform und Entartungsform der klassischen Verfassungsmodelle zwangsweise immer wieder ab. Motor dieses Kreislaufs ist der moralische Verfall des jeweiligen Souveräns. Die Mischverfassung des römischen Reiches vereint in sich die positiven Elemente der drei guten Verfassungen. Sie ist laut Polybios gegen die drei entartenden Verfassungen nicht immun, ist aber weniger anfällig dafür. Die positiven Elemente der guten drei Verfassungen führen zu einem Gleichgewicht der Kräfte und kontrollieren sich gegenseitig. Die Fürsorge und Tugend des Monarchen (der Konsul), verbunden mit der Ratsversammlung der Besten (Senat) und der Freiheit des Volkes (Volksversammlung), führen zu einer Balance und gegenseitigen Kontrolle der Kräfte und damit zu einem sich selbst stabilisierenden System. Dieses Grundprinzip der Gewaltenteilung, bei dem die Staatsgewalt auf mehrere Institutionen aufgeteilt wird, die sich gegenseitig kontrollieren, wird später von Montesquieu[4] aufgegriffen und Teil unseres heutigen Demokratieverständnisses.

Die westliche Welt geht spätestens nach dem Fall des Kommunismus davon aus, dass unsere auf Gewaltenteilung fußende Demokratie, eine überlegene Staatsform ist, und sich früher oder später über die ganze Welt ausbreiten wird. Wir alle gehen also von einer linearen Entwicklung der Verfassungen aus. Die Urmonarchie entwickelt sich über Umwege zur besten Staatsform, der Demokratie, und dann ist Schluss. Was ist, wenn Polybios recht hat? Wenn wir am Anfang eines neuen Zyklus stehen? Polybios Kreislaufmodell passt nicht so schlecht zum Verlauf der Geschichte. Der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa 1989 kann durchaus als der Wechsel von einer Oligarchie zur Demokratie bezeichnet werden. Und die junge Demokratie Frankreichs, die sich nach der Französischen Revolution bildete, entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zur Ochlokratie – der Herrschaft des Pöbels. Der Monarch Napoleon beendete damals diese entartete Form der Demokratie.

Beim „Brexit“ in Großbritannien wurden wir Zeugen, wie populistische und verantwortungslose Politiker die johlenden Massen mit Halb- und Unwahrheiten, quasi mit einem „Nasenring“, hinter sich herzogen[5]. Oder schauen wir nach Amerika. Politische Vielfalt, sachliche Diskussionen und Gemeinschaftssinn werden gerade verdrängt durch dumpfe Parolen, Einheitsbrei und Freund-Feind Ideologien. Die Menge jubelt ihrem „Erlöser“ zu. Aus einzelnen, denkenden Menschen wird eine brodelnde Masse – der Pöbel. Bedingungs- und gedankenlos folgen sie ihrem „Führer“, schließen sich der einen vorgegebenen Meinung an und sind zu allen (Schand)taten bereit. Hannah Arendt und die „Herrschaft des Niemand“ lassen grüßen. Damit ist folgende Frage durchaus berechtigt: Leben wir noch in einer Demokratie oder befinden wir uns bereits in einer Ochlokratie? Da Moral und Sitte des Souveräns (in der Demokratie wir) dafür maßgeblich sind, ist die Frage relativ leicht zu beantworten. Wie schaut es denn aus mit unserer Moral, unserer Tugendhaftigkeit und unserem Einsatz für das Gemeinwesen? Sind wir moralische, tugendhafte, selbständig denkende Bürger, die sich für unser Gemeinwesen (unseren Staat) einsetzen?

Der römische Staatsmann und Philosoph Cicero (106 – 43 v. Chr.) bringt noch eine weitere Tugend der Bürger ins Spiel – die Gerechtigkeit. Für Cicero, der ein ähnliches Staatsmodell wie Polybios entwickelt und ebenfalls die Mischverfassung als beste Staatsform ansieht, steht die Gerechtigkeit im Zentrum jedes Staates. Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden im Gemeinwesen. Kein Staat kann auf Dauer ohne Gerechtigkeit existieren. Gerechtigkeit ist, laut Cicero, fixer Bestandteil der menschlichen Natur und bildet damit die Grundlage für jedes Gemeinwesen. Hat Cicero recht, stellt sich uns zusätzlich die Frage: Sind wir eine gerechte Gesellschaft? Bevor wir an die Beantwortung dieser Frage gehen, möchte ich ihnen noch den arabischen Historiker, Politiker und Universalgelehrten Ibn Khaldun (1332 – 1406) vorstellen. Ibn Khaldun, der von vielen als Begründer der modernen Geschichtsschreibung und als Vater der Soziologie[6] angesehen wird, beschäftigt sich schon im 14. Jahrhundert, auf wissenschaftliche Weise, mit dem Aufstieg und dem Untergang der Staaten Nordafrikas. Er findet gesellschaftliche und kulturelle Faktoren, die den Aufstieg, die Blüte und den Untergang von Gemeinwesen beeinflussen.

Dabei prägt er den Begriff „Asabiya“. Ursprünglich waren damit der Zusammenhalt, die Solidarität und die emotionale Bindung innerhalb von Großfamilien, Clans und Stammesverbänden in Nordafrika gemeint. Asabiya bezeichnete die einigende Kraft, die diese Gruppen verband. Die Asabiya erhöht die Bereitschaft, die eigene Gruppe zu fördern und gegen Außenstehende zu verteidigen. Sie verleiht der Gruppe somit Stärke und Zusammenhalt. Man könnte sie als „Blutsbande“ oder „Sippenzugehörigkeit“ bezeichnen. Ibn Khaldun erweitert die Bedeutung des Begriffs Asabiya ganz allgemein auf einen gemeinsamen, verbindenden Wertekanon von Gesellschaften und Staaten. Es geht ihm dabei ganz allgemein um Wertvorstellungen, die eine Gesellschaft fördern, ihr guttun und sie stark machen. Es geht um Solidarität innerhalb von Gruppen und um die Frage, wie gemeinsame Werte, eine soziale Gruppe einen und stärken. Laut Ibn Khaldun unterliegt eine große Gruppe ohne Asabiya einer kleinen Gruppe mit Asabiya. Die Asabiya fördert aber nicht nur das soziale Zusammenleben. Sie ist ebenfalls eine notwendige Voraussetzung für politische Macht. Die Ausformung der Asabiya ist für Ibn Khaldun der wesentliche Faktor bei der Gründung, der Blüte und dem Untergang von Dynastien[7] beziehungsweise Staaten. Die ursprünglichste und stärkste Form der Asabiya liegt bei den durch die Wüsten Nordafrikas wandernden Nomadenvölkern vor. Nur totale Solidarität nach innen ermöglicht es den Nomaden, in der kargen und lebensfeindlichen Wüste zu überleben. Zusätzlich werden die Menschen, durch das harte Leben in der Wüste und den ständigen Kampf gegen feindliche Gruppen abgehärtet, und aus den Männern werden erfahrene Krieger. Ihre starke Asabiya ermöglicht es den Gruppen, nicht nur zu überleben.

Sie ermöglicht es den Nomaden, Gruppen die über weniger Asabiya (weniger Zusammenhalt) verfügen und die nicht so abgehärtet sind, zu unterwerfen. So entsteht langsam eine Groß-Asabiya. Da Erfolg attraktiv macht, schließen sich andere Gruppen an. Hat die Gruppe eine gewisse Größe erreicht, beginnen sie die umliegenden Städte und Königreiche zu erobern. Die Bewohner zivilisierter Gebiete haben dieser wilden Urtümlichkeit und Entschlossenheit der wilden Krieger wenig entgegenzusetzen. Die Zivilisation und das bequeme Leben haben sie verweichlicht und ihr Asabiya schwach werden lassen. Es gibt keinen Zusammenhalt mehr in ihrer Gesellschaft, jeder ist nur auf seinen eigenen kurzfristigen Vorteil bedacht. Intrigen und interne Machtkämpfe sind an der Tagesordnung und schwächen ihre Reiche. Deshalb unterwerfen wilde Barbaren mit starker Asabiya so oft kulturell höher entwickelte Gesellschaften. Die wilden Eroberer werden dann sesshaft, übernehmen die Kultur der unterworfenen Völker und gründen eigene Staaten. Da sie sich aber dem Prunk und dem Laster der eroberten Völker hingeben, verweichlichen sie zusehends selbst. Aus wilden Kriegern werden kultivierte und zivilisierte Bürger.

Der kulturelle und materielle Reichtum der unterworfenen Kulturen führt jedoch anfänglich dazu, dass das neue Reich blüht und gedeiht. Aber schon nach wenigen Generationen haben die Annehmlichkeiten und der Luxus des städtischen Lebens den ursprünglichen Zusammenhalt der Gruppe geschwächt. Ihre Asabiya ist kaum mehr vorhanden. Kommen dann noch Selbstsucht, Gier und Korruption dazu, dann schwindet der ursprüngliche Gemeinschaftsgeist vollständig. Somit ist es nur eine Frage der Zeit bis von irgendwoher wilde, aggressive Krieger mit einer starken Asabiya kommen, und das mittlerweile dekadente Reich dem Erdboden gleichmachen. Dann beginnt wieder alles von vorne. Wie schon bei Polybius vollzieht sich das Werden und Vergehen der Staaten somit in Zyklen. Ein typischer Zyklus vom Aufstieg bis zum Untergang einer Dynastie dauerte für Ibn Khaldun vier Generationen. Das mag für das schnelllebige Nordafrika des 13. und 14. Jahrhunderts vielleicht Gültigkeit besessen haben. Im alten Europa hingegen dauerten die Zyklen oftmals viele Jahrhunderte.

Ein schönes Beispiel ist der Aufstieg, die Blüte und der Untergang des Römischen Reiches. In der römischen Königszeit ist das junge Rom stark und wild. Entschlossen und geeint tritt es gegenüber seinen Feinden auf. Nach und nach unterwirft es alle seine Nachbarn. Auch in der römischen Republik ist Roms Asabiya noch stark, und ihre Armee durch die vielen Eroberungskriege kampferprobt. Es gelingt Rom den gesamten Mittelmeerraum unter seine Kontrolle zu bringen. Mit den Ressourcen und Reichtümern aus den unterworfenen Gebieten festigen die Römer ihre Vormachtstellung. Die Stadt Rom wird zur prächtigsten Stadt der damaligen Zeit ausgebaut. Sie wird zum Symbol der römischen Macht. Das Römische Reich blüht und gedeiht. Mit der Kaiserzeit schwindet langsam die Asabiya. Ehrgeizige und nach Macht und Ruhm strebende Herrscher führen jetzt das Reich. Da die ersten Kaiser aber nicht nur machtgierig und selbstsüchtig sind, sondern auch kompetent und durchaus im Sinne des Gemeinwohls handeln, kann Rom zu Beginn der Kaiserzeit seine Macht nicht nur erhalten, sondern sogar ausbauen. Doch spätestens ab dem dritten nachchristlichen Jahrhundert nehmen innenpolitische Machtkämpfe, Dekadenz und Korruption zu. Zudem kommen vermehrt inkompetente und schwache Kaiser an die Macht.

Den Bürgern des Römischen Reiches ist das egal. Sie haben sich schon vor langer Zeit von der Politik abgewendet, kümmern sich nur noch um ihre persönlichen Befindlichkeiten und wollen ihren Spaß haben. Die Asabiya des Römischen Reiches wird schwach. Der Zusammenhalt geht verloren. Um die Menschen bei Laune zu halten und um Aufstände zu verhindern, gehen die Herrscher nach dem Motto „Brot und Spiele“[8] für das Volk vor. Billiges, oft sogar verschenktes Getreide, macht das Volk satt und die aufwendigen, oft viele Tage dauernden Zirkusspiele unterhalten die Menschen. Der Niedergang des Reiches setzt ein. Das Römische Reich ist innenpolitisch gespalten. Mehrere Gruppierungen streiten um die Macht und bekämpfen sich gegenseitig. Der Adel ist dekadent, korrupt und selbstsüchtig. Dem Volk ist das alles egal. Es ist zufrieden, wenn es satt ist und unterhalten wird. Die Asabiya ist verschwunden und mit ihr der Zusammenhalt der Gesellschaft. Obwohl das Römische Reich immer noch riesig ist und über enorme Ressourcen verfügt, ist es schwach geworden.

Wen wunderts, dass die erste ernste Krise, die Völkerwanderung, das Weströmische Reich hinwegfegt. Von wilden Völkern mit einer starken Asabiya – einem starken Gemeinschaftsgefühl. Der Aufstieg und Fall Roms ist ein schönes und sicher nicht das einzige Beispiel für die Macht der Asabiya. Unzählige Beispiele lassen sich finden, wie Dekadenz, Korruption und mangelnder Zusammenhalt innerhalb der Bevölkerung, Reiche untergehen lassen. Deshalb die Fragen. Wie steht es mit unserer Asabiya? Wie steht es mit unserem Gemeinschaftsgefühl? Haben wir noch gemeinsame Werte und Ziele? Beziehen wir uns auf Polybios, Cicero und Ibn Khaldun, dann lauten die drei großen Fragen, die über die Zukunft unseres Staates entscheiden:

  1. Leben wir in einer Demokratie oder einer Ochlokratie?
  2. Sind wir eine gerechte Gesellschaft?
  3. Verfügt unsere Gemeinschaft noch über eine starke Asabiya? 

[1] Die drei Makedonischen Kriege (215 – 169 v. Chr.) fanden zwischen dem Königreich Makedonien, das damals Griechenland beherrschte, und dem aufstrebenden Römischen Reich statt. Nach dem Sieg der Römer über Makedonien war die phönikische Handelsmetropole Karthago die letzte verbleibende Großmacht, die dem Aufstieg Roms noch im Weg stand. In den drei Punischen Kriegen (264 – 146 v. Chr.), der Karthager Hannibal überquert dabei mit seinen Elefanten die Alpen, wird Karthago besiegt. Nachdem Rom die Griechen im Osten und die Phönikier im Westen besiegt hatte, beherrschte es den ganzen Mittelmeerraum.

[2] Rom bleibt fast 500 Jahre Republik. Im Jahr 27. v. Chr. übernimmt Augustus, ein Adoptivsohn Cäsars, die Alleinherrschaft im Römischen Reich. Schon Cäsar wollte allein herrschen, wurde aber ermordet. Das über tausend Jahre bestehende Römische Reich durchlief drei Phasen. Die Königszeit von 753 – 510 v. Chr., die Republik von 510 – 27 v. Chr. und die Kaiserzeit von 27 v. Chr. bis zu seinem Untergang 476 n. Chr. Das Oströmische Reich wurde erst 1453 von den Osmanen erobert. Der Begriff „Tausendjähriges Reich“ passt hier.

[3] Auf zwölf Bronzetafeln sind alle Gesetzestexte des Zivil- und Strafrechts niedergeschrieben. Sie sind öffentlich zugänglich und somit von jedermann einsehbar. Das erhöht die Rechtssicherheit im Römischen Reich deutlich, vor allem für die politisch benachteiligten Plebejer. Aus dem Zwölftafelgesetz entwickelt sich später das „Römische Recht“, das bis heute die Grundlage unseres heutigen Rechtsystems bildet.

[4] Montesquieu (1689-1755), war ein französischer Philosoph und Staatstheoretiker. Um Machtmissbrauch und Willkür der Regierung zu verhindern, entwickelt er ein Modell, nach dem die staatliche Macht auf drei unabhängige Organe verteilt wird – die Legislative (Parlament, macht Gesetze), die Exekutive (Regierung, führt Gesetze aus) und die Judikative (Gerichte, sprechen Recht).

[5] Damit keine Missverständnisse auftreten. Ich persönlich bedauere den „Brexit“ sehr, gestehe aber selbstverständlich der britischen Bevölkerung das Recht zu, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Was mich jedoch erschüttert, ist die Tatsache, dass ein Land eine historische Entscheidung trifft, ohne eine sachliche und vernünftige Diskussion von Fakten und Konsequenzen. Eine Diskussion, die die Zukunft des Landes für die nächsten 100 Jahre bestimmt, wurde getragen von dumpfen Emotionen, Vorurteilen, Halb- und Unwahrheiten.

[6] Die Soziologie ist eine Wissenschaft, die das menschliche Zusammenleben beobachtet, beschreibt und interpretiert.

[7] Eine Dynastie ist eine Aneinanderreihung von Herrschern aus einer Familie. Also ein Herrschergeschlecht, das über Generationen an der Macht ist.

[8] Der Ausdruck „Brot und Spiele“ ist auch heute noch aktuell. Er steht für eine dekadente Gesellschaft, deren Interessen über das persönliche Wohlergehen und der Befriedigung „einfacher Gelüste“ nicht hinausgehen. Auch heute wird die Bevölkerung, mit Wahlgeschenken und der Hinlenkung zur Konsum- und Spaßgesellschaft, von den wirklichen Problemen unserer Gesellschaft abgelenkt und bei Laune gehalten. Politisches Engagement der Bürger ist, damals wie heute, von den Mächtigen nicht erwünscht.